Messerstahl

Messerstahl: Das kleine Lexikon mit allem, was du über Messerstähle wissen solltest, um das richtige Messer zu finden und deine Freunde richtig zu beraten

1 Quadrillion.

Umgerechnet ist es eine 1 mit 24 Nullen.

So viele und noch mehr Sterne gibt es im Universum.

Wozu sage ich dir das?

Das Thema Stahl ist so breit gefächert, dass es mit Leichtigkeit eine eigene Galaxie mit Milliarden Sternen füllen könnte - und wäre damit noch lange nicht ausgereizt.

Sprich:

Über Stahl kannst du reden, schreiben und forschen, bis deine Enkelkinder ihre eigenen Enkelkinder haben und du wärst immer noch nicht fertig.

Aber so viel Zeit haben wir nicht.

Deshalb fasse ich mich kurz:

Es geht um Messerstahl.

Genau gesagt:

Es geht um Messerstahl für die Herstellung von Küchenmessern.

In diesem Artikel verrate ich dir: 

  • Was die häufigsten Messerstähle sind und in welchen Arten von Messern sie vorkommen.

  • Wie diese Messerstähle zusammengesetzt – also legiert werden und welche Eigenschaften und Vorteile diese Legierungen ergeben.

  • Welche Stähle für Küchenmesser am besten geeignet sind, damit du in deinem Messerblock nur noch echte Schmiedekunst hast und der "erste" Ratgeber bist, wenn deine Freunde Rat beim Kauf eines neuen Messers brauchen.

  • Woran du einen hochwertigen Messerstahl erkennen und den billigen Topfstahl erkennen kannst, aus dem häufig Messer gemacht sind, die du im Supermarkt für wenige Euronen kaufen kannst

Genug geschwafelt.

Zieh deine Schutzbrille an - denn jetzt wird's heiß:

Was ist Messerstahl und wie wird er hergestellt?

Einfach gesagt:

Messerstahl ist eine verbesserte Version von Eisen.

Das bedeutet?

Eisen ist in seinem Rohzustand zu weich, um daraus ei verlässliches Werkzeug wie ein scharfes Kochmesser herzustellen – es fehlt ein Härte, Festigkeit und anderen Elemente, wie zum Beispiel:

Kohlenstoff.

Messerstahl ist also eine Legierung – ein Mischung – aus dem Rohstoff Eisen, Kohlenstoff und anderen Elementen, auf die ich weiter unten genauer eingehe.

Der Kohlenstoffanteil im Messerstahl muss dabei mindestens 0,3% betragen und darf die Grenze von 2,06% nicht überschreiten.

Warum?

Ist zu wenig Kohlenstoff in der Legierung enthalten, dann ist der Stahl nicht fest genug und unbrauchbar für ein Messer.

Wird der Legierung zu viel Kohlenstoff beigemischt, dann nimmt der Stahl die Eigenschaften Gusseisen an und wird so hart, dass du es nicht mehr zu einer Messerklinge formen kannst.

Übrigens:

Wenn der Kohlenstoffanteil den Wert von 0,8% überschreitet, wird der Stahl NICHT härter.

Warum gibt es dann Legierungen, die mehr als 0,8% Kohlenstoff haben?

Der Messerstahl bekommt dadurch bessere Eigenschaften. Welche das sind, verrate ich dir weiter an.

Vorher schauen wir uns die 2 Arten von Messerstahl an, die beim Schmieden von Messern zum Einsatz kommen:

 

2 Stahlsorten, die zur Herstellung von Messern verwendet werden

Messerstahl können wir in 2 Kategorien aufteilen:

Monostahl und Damaststahl.

Wenn Messerklingen nur aus einer einzigen Legierung geschmiedet werden, dann handelt es sich bei diesem Stahl um einen Monostahl.

Wenn eine Messerklinge aus 2 verschiedenen Legierungen hergestellt wird, dann handelt es sich um einen Damaszener Stahl.

Aber:

Neben diesen beiden Fundamenten gibt es noch eine dritte Kategorie, die noch gar nicht so alt ist.

Sie wurde um die um die Jahrtausendwende entwickelt und hat seither den Messermarkt revolutioniert und dominiert hat.

Doch bevor wir uns diesen modernen "Wunderstahl" anschauen, gucken wir uns das Urmetall der Messerindustrie genauer an.

Denn sowohl der Monostahl als auch der Damaststahl kann sich auch heute noch gegen jeden revolutionären Stahl mühelos behaupten.

Aber genug gequatscht – Kommen wir zur Sache:

 

Monostahl - der einfache Messerstahl für hochwertige Küchenmesser

Monostahl kannst du in 2 Legierungsarten spalten:

  1. Kohlenstoffstahl (Carbonstahl) und

  2. Edelstahl.

Carbonstahl wird häufig als reiner oder unlegierter Stahl bezeichnet, wenn er nur aus Eisen und Kohlenstoff zusammegesetzt ist.

Diese reine Kombination aus Eisen und Kohlenstoff macht diesen Klingenstahl extrem hart und fördert das Schärfepotenzial, weil die Klinge sehr fein geschliffen werden kann.

Je feiner die Schneide, desto schärfer das Messer – und wie du ein Messer professionell schärfen kannst, zeige ich dir hier:

Messer schärfen wie ein Profi – aber schnell, einfach und ohne Raketenwissenschaft.

Ein typisches Merkmal von Carbonstahl ist die grau-braun-bläuliche Verfärbung, die sich sofort auf der Klinge bildet, nachdem du zum ersten Mal damit geschnitten hast.

Diese Verfärbung (Patina) sieht bei einigen Klingen so hässlich aus wie Quasimodo - ist aber extrem nützlich, da es sich wie eine Schutzschicht über die gesamte Klinge ausbreitet und das Messer vor Rost und anderen Schädlingen schützt.

Die Patina kriegst du von der Klinge übrigens nicht mehr weg.

Schauen wir uns nun das Gegenstück zum Carbonstahl an:

Edelstahl.

Edelstahl kennst du bestimmt auch unter dem Begriff "rostfreier Stahl".

Das ist zwar politisch korrekt - aber nicht ganz richtig.

Wer Insiderwissen hat, der weiß:

"Rostfrei" bedeutet in diesem Fall rost-TRÄGE.

Was heißt das genau?

Ein Edelstahlmesser hält sehr viel mehr aus als ein Carbonmesser, wenn es ordentlich gereinigt wird.

Hier zeige ich dir, wie du hochwertige Messer richtig reinigen kannst.

Zurück zum Edelstahl ...

Um die Klinge rostfrei zu machen, mischt man dem Messerstahl in der Regel 13-15% Chrom bei.

Merke:

Wenn ein Legierungselement im Stahl mehr als 5% beträgt, spricht man von einem "hochlegierten" Stahl.

Aber bevor wir uns den Legierungselementen widmen, sprechen wir kurz über die andere Stahlsorte:

Damaststahl - der überlegene Messerstahl für die schönsten Messerklingen

Auch Damaststahl kannst du in 2 Kategorien unterteilen:

Echter Damaststahl und Fake-Damast.

Worin liegt der Unterschied?

Beim echten Damaststahl werden mindestens 2 verschiedene Stähle aus unterschiedlichen Legierungen miteinander verschmolzen.

In der Regel wird ein weicher Stahl mit einem harten Stahl durch die Damast typische Falttechnik geschmiedet. Dabei werden die Vorteile von dem weichen Stahl (Edelstahl) und dem harten Stahl (Carbonstahl) in einer Klinge kombiniert.

Beim Fake-Damast wird nur EINE Legierung mehrere Male gefaltet, bis das wellenartige Damastmuster auf der Klinge sichtbar ist. 

Den Unterschied zwischen Fake und Original erkennst du vor allem am Preis:

Fake-Damast gibt es schon für unter 100€. Für das Original musst du dein Sparschwein schlachten und in einigen Fällen sogar noch Geld leihen, wenn du  dir ein besonders edles Exemplar zulegen willst.

Das sind die Urmetalle des Messerstahls.

Und aus diesen beiden Stählen ist eine dritte Kategorie hervorgegangen:

 

Pulvermetallurgischer Stahl (CPM-Stahl)

CPM-Stahl wurde um die Jahrtausendwende entwickelt und hat die Stahlindustrie von Grund auf revolutioniert.

Dabei ist CPM Stahl gar keine neue Stahlsorte ...

Es ist eher eine neue Technik zur Herstellung von Stählen aus den bisher bekannten Legierungselementen auf eine völlig neue Art und Weise.

Sprich:

Heute werden dieselben Elemente durch massiven Druck, vulkanischer Hitze und anderen Methoden zu Pulver zerbröselt. Danach wird das Pulver zu einer neuen und homogenen Stahlmasse verdichtet.

Auf diese Weise wird ein alter Messerstahl mit identischen "Inhaltsstoffen" zu einem neuen Messerstahl.

Aber was ist so besonders an diesem CPM-Stahl?

Das CPM-Verfahren sorgt für eine gleichmäßige Verteilung der Legierungselemente, wodurch eine feinere Karbidstruktur entsteht.

Diese "neue" Karbidstruktur sorgt für eine hohe Verschleißfestigkeit und Schnitthaltigkeit der Messerklingen.

Merke:

CPM-Stahl kann sowohl niedriglegiert als auch hochlegiert sein.

Und was es mit Hoch-und Niedrieglegierungen auf sich hat, verrate ich dir jetzt:

 

Hochlegierter Stahl vs niedriglegierter Stahl - was ist der Unterschied? 

Wenn du Stahl mit einem Element (z.B Chrom) legierst, dann bilden sich Karbide, die die Eigenschaften des Stahls verbessern.

So steigt zum Beispiel die Verschleißfestigkeit und der Korrosionsschutz, wodurch der Stahl wird härter.

Diese Karbide kannst du dir wie kleine und große Mehlklumpen in einer Teigmasse vorstellen.

Karbide haben aber auch ihre Nachteile:

Sie "stören" die homogene Stahlmasse, wodurch die Struktur des Stahls geschwächt wird. Dadurch hält die Messerklinge nicht mehr so viel Belastung aus und kann schneller an der Schneide abbrechen.

Merke:

Ein unlegiertes Carbonmesser hat micro-feine Karbide, wodurch die Struktur des Stahls nicht beeinträchtigt ist und die Klinge dadurch sehr dünn geschliffen werden kann, ohne abzubrechen. Eine hochlegierte Edelstahlklinge hat dagegen große Karbide in seiner Struktur und kann daher NICHT dünn ausgeschliffen werden. Der Klinge fehlt es praktisch an Rückgrat, wodurch sie sehr schnell ausbrechen kann.

Deshalb haben Edelstahlmesser breitere Klingen.

Darum heißt es:

"Carbonmesser sind schärfer als Edelstahlmesser - Edelstahlmesser dagegen robuster und vielseitiger als Carbonmesser."

Eine Sache müssen wir aber immer noch klären ...

Was ist nun der Unterschied zwischen hochlegiert und niedriglegiert?

Wenn der Gesamtanteil der Legierungselemente im Stahl 5% oder mehr beträgt, dann sprechen wir von einem hochlegierten Stahl. Edelstahl zum Beispiel ist mit mindestens 13% Chrom immer ein hochlegierter Stahl.

Wenn der Gesamtanteil der Legierungselemente weniger als 5% beträgt, dann sprechen wir von einem niedriglegiertem Stahl - zum Beispiel Carbonstahl oder CPM-Carbonstahl.

Es gibt aber noch eine dritte Kategorie:

Die unlegierten Stähle.

Unlegierte Stähle dürfen neben Eisen und Kohlstoff auch andere Legierungselemente beinhalten - diese müssen aber unterhalb einem festgelegten Grenzwert liegen. Wenn dieser Wert überschritten wird, zählt der Stahl zu legierten Stählen.

Übrigens:

Die meisten japanischen Messer werden aus niedriglegiertem Stahl geschmiedet - deshalb sind sie alle so extrem scharf.

Warum aber sollte es dich interessieren, ob dein Kochmesser hochlegiert oder niedriglegiert ist?

Jedes Legierungselement hat seine Vor- und Nachteile.

Heißt:

Wenn ein Legierungselement einen gewissen Anteil im Stahl überschreitet, dann bringt es nicht nur die beabsichtigten Vorteile mit sich, sondern auch die mit dem Element verbundenen Nachteile.

Und diese schauen wir uns jetzt an:

 

Legierungselemente: Vor- und Nachteile im Messerstahl

Es gibt etliche chemische Elemente, die mit Stahl legiert werden.

Da wir uns aber nur auf Messerstahl beziehen, werde ich nicht jedes einzelne Element auflisten, sondern nur die häufigsten und wichtigsten.

Außerdem:

Hier sind nur die Vor- und Nachteile in Bezug auf Messer. Steinige mich also nicht, wenn hier und da etwas fehlt. Und wirf auch nicht deine scharfen Messer nach mir - ich könnte sie fangen und behalten.

Aber ich halte jetzt meine Klappe.

Legen wir los:

Kohlenstoff (C)

Kohlenstoff ist das wichtigste Legierungselement und verwandelt das Eisen erst in Stahl.

Vorteile

  • erhöht die Härte, Verschleiß- und Zugfestigkeit des Stahls

Nachteile

  • erhöht die Sprödigkeit des Stahl, wenn der Anteil im Stahl zu hoch ist (bei niedrieglegierten Stählen)
 

Chrom (Cr)

Chrom ist das Kernelement im rostfreien Stahl, das die Rostträgheit bildet.
  • festgelegte Grenze: 0,3%

Vorteile

  • verbessert die Härte und Festigkeit des Stahls
  • erhöht die Verschleißfestigkeit und die Korrosionsbeständigkeit des Stahls
  • ab 13% Anteil wird der Stahl rost-TRÄGE

Nachteile

  • verringert die Zähigkeit des Stahls

Schwefel (S)

Schwefel hat praktisch nur Nachteile für Messerstahl und wird nur in seltensten Fällen einer Legierung beigemischt.
  • festgelegte Grenze: 0,025% (bei Edelstahl)
  • Vorteile

    -

    Nachteile

    • verringert ebenfalls die Zähigkeit des Stalhs
    • mindert die Rostbeständigkeit des Stahls

    Vanadium (V)

    Vanadium wird hauptsächlichen Edelstahl beigemischt, um diesen unempfindlich gegenüber Hitze zu machen.
  • festgelegte Grenze: 0,1%
  • Vorteile 

    • erhöht die Festigkeit und Zähigkeit des Stahls
    • steigert die Verschleißfestigkeit und Plastizität
    • verbessert die Härtbarkeit des Stahls

    Nachteile

    -

    Molybdän (Mo)

    Neben Chrom ist Molybdän das wichtigste Element im Edelstahl und erhöht vor allem die Beständigkeit gegenüber Korrosion.
  • festgelegte Grenze: 0,08%
  •  Vorteile

    • erhöht den Härtegrad des Stahls
    • verringert die Sprödigkeit
    • verbessert die Korrosionsbeständigkeit des Stahls

    Nachteile

    -

    Mangan (Mn)

    Mangan wird beigemischt, um die potenzielle Härtbarkeit des Stahls zu verbessern.
  • festgelegte Grenze: 1,65%
  •  Vorteile

    • erhöht die Härte und die Festigkeit des Stahls

    Nachteile

    -

    Kobalt (Co)

    Kobalt wird oft bei Schnellarbeiterstählen eingesetzt, die für Werkzeuge eingesetzt werden und hohen Temperaturen ausgesetzt sind.
  • festgelegte Grenze: 0,3%
  • Vorteile

    • erhöht den Härtegrad und die Festigkeit des Stahls
    • verbessert die Warmfestigkeit
    • verfeinert das Stahlgefüge

    Nachteile

    -

    Wolfram (W)

    Wolfram wird oft für Werkzeugstähle verwendet, die hohen mechanischen Belastungen ausgesetzt werden.
  • festgelegte Grenze: 0,3%
  •  Vorteile  

    • erhöht die Festigkeit und Zähigkeit des Stahls
    • steigert den Härtegrad des Stahls
    • verbessert die Zugfähigkeit des Stahls

    Nachteile

    -

    Kupfer (Cu)

    Kupfer wird dem Stahl hauptsächlich beigemischt, um die Korrosionsbeständigkeit zu verbessern.
  • festgelegte Grenze: 0,4%
  •  Vorteile

    • erhöht die Witterungsbeständigkeit und Festigkeit des Stahls
    • verbessert die Korrosionsbeständigkeit.

    Nachteile

    • verringert die Bruchdehnung des Stahls

    Silicium (Si)

    Silicium wird oft für Federstähle eingesetzt, und verbesserst die Biege- und Verschleißfestigkeit des Stahls.
  • festgelegte Grenze: 0,6%
  •  Vorteile

    • erhöht die Festigkeit und deutlich die Härte des Stahls

    Nachteile

    -

    Nickel (Ni)

    Nickel verbessert ebenfalls die Beständigkeit gegenüber Korrosion und gehört neben Chrom und Molybdän zu den wichtigsten Elementen im Edelstahl.
  • festgelegte Grenze: 0,3%
  •  Vorteile 

    • erhöht die Festigkeit des Stahls
    • ab 8% steigert es auch die Korrosionsbeständigkeit des Stahls

    Nachteile

    • reduziert die Härte des Stahls
    • vermindert die Härtbarkeit des Stahls

    Niob (Nb)

    Niob wird beigefügt, um die Nachteile von Kohlenstoff im Stahl zu mindern.
  • festgelegte Grenze: 0,06%
  •  Vorteile

    • verbessert die Zähigkeit und Festigkeit des Stahls
    • steigert die Korrosionsbeständigkeit

    Nachteile

    -

    Stickstoff (N)

    Erhöht bei hochlegierten Stählen die Beständigkeit gegen über Lochkorrosion.
  • festgelegte Grenze: 0,1%
  • Vorteile 

    • verbessert die Korrosionsbeständigkeit des Stahls

    Nachteile:

    • vermindert die Zähigkeit des Stahls
     

    Musst du all diese Elemente kennen?

    Sagen wir es so...

    Es hat seine Vorteile wenn du weißt, welche Elemente deinem Messerstahl beigemischt wurden.

    Und falls dir jemand mal einen "völlig neuartigen" Stahl mit einer Schwefel-Legierung anbieten möchte, wirst du wissen, wie du damit umgehen sollst.

    Andererseits:

    Wenn du dir die chemische Zusammensetzung eines Edelstahlmessers ansieht und merkst, dass in der Legierung Molybdän fehlt, dann weißt du auch, dass etwas nicht stimmt.

    Und an dieser Stelle beenden wir unseren kleinen Ausflug ins Periodensystem und gehen die wichtigsten Messerstähle durch.

    Die 4 häufigsten Messerstähle bei Küchenmessern

    #1 X50CrMoV15 - DER deutsche Messerstahl

    Bekannt auch als:

    1.4116 (Werkstoffnummer) oder 420MoV (AISI - Amerikanische Norm).

    X50CrMoV15 ist ein rostfreier Stahl mit knapp 15% Chromanteil und der "Standard"-Stahl deutscher Premium-Messer aus Solingen.

    Hier ist die chemische Zusammensetzung:

     

    • 0,45 - 0,55% Kohlenstoff
    • 14 - 15% Chroma
    • 0,5 - 0,8% Molybdän
    • 0,1 - 0,2% Vanadium

     

    Was ist so besonders an diesem Stahl?

    Mittlerweile steht X50CrMoV15 als Synonym für hochwertige Küchenmesser aus Solingen.

    Im Gegensatz zu "üblichen" Edelstählen kann X50CrMoV15 auf bis zu 58 HRC gehärtet werden und bildet auf diese Weise eine bequeme Kombination aus hoher Schnitthaltigkeit und einfacher Nachschärfbarkeit.

    Solche Kochmesser eignen sich besonders gut als Universalmesser.

     

    #2 VG-10 - der Favorit aus Japan

    Der VG-10 ist ein rostfreier Edelstahl aus Japan mit einer besonderen Eigenschaft:

    Durch seinen hohen Kohlenstoffanteil kann der Stahl härter geschmiedet werden als es für ein Edelstahlmesser üblich ist - bis zu 60HRC.

    Die meisten Edelstahlmesser erreichen ein Maximum von 56 HRC.

    Hier ist die chemische Zusammensetzung:

     

    • 0,95 - 1,05% Kohlenstoff
    • 14,5 - 15,5% Chrom
    • 0,9 - 1,2% Molybdän
    • 0,1 - 0,3% Vanadium
    • 0,5% Mangan
    • 0,6% Silizium
    • 1,3 - 1,5% Kobalt
    • 0,3% Phosphor

     

    VG-10 gehört zu den beliebtesten Stählen aus Japan aufgrund seiner Legierung aus Kohlenstoff und Chrom - zu jeweils hohen Anteilen.

    Dadurch entstehen Küchenmesser mit fantastischen Eigenschaften:

    Hohe Härte wegen des Kohlenstoffanteils und hervorragende Korrosionsbeständigkeit mit hoher Verschleißfestigkeit wegen des Chromanteils.

    Auf diese Weise ist der VG-10 ein idealer Messerstahl für Klingen, die in der Küche viel aushalten sollen - und dabei extrem scharf sind.

     

    #3 D2 - der weltweite "Superstahl" aus Amerika

    D2 Stahl wird auf allen Kontinenten zur Herstellung von Messern verwendet und hat daher auch viele Namen:

    1.2379, SKD10, X153CrMoV12 und viele weitere - je nach dem, auf welchem Kontinent du gerade unterwegs bist.

    D2 ist ein erstklassiger Messerstahl mit ungewöhnlicher Legierung.

    Hier ist die Zusammensetzung:

     

    • 1,4 - 1,6 % Kohlenstoff
    • 11 - 12% Chrom
    • 0,7 - 1,2% Molybdän
    • 0,1 - 0,6% Silizium
    • 0,1 - 0,6% Mangan
    • 0,5 - 1,1% Vanadium
    • 0,3% Nickel

     

    Warum "Superstahl"?

    D2 Stahl wird vor allem für Outdoormesser verwendet - aber auch häufig für Küchenmesser.

    Wegen seiner unüblichen Kombination aus hohem Kohlenstoff- und Chromanteil ist der Stahl sowohl rostfrei als auch mit bis zu 61HRC extrem hart.

    Diese Robustheit und hohe Schnitthaltigkeit ist sehr ungewöhnlich für rostfreien Messerstahl, deshalb gehört D2 zu den beliebtesten Messerstählen.

     

    #4 12C27 - der flexible Stahl aus dem Norden

    Der 12C27 ist ein vielseitiger Stahl aus Schweden, der vor allem für die Herstellung von Messern optimiert wurde.

    Daraus werden sowohl Küchenmesser, als auch Outdoor- Jagd- und Taschenmesser geschmiedet.

    Hier ist die chemische Zusammensetzung:

     

    • 0,6% Kohlenstoff
    • 13,5 - 14% Chrom
    • 0,35 - 0,4% Mangan
    • 0,35 - 0,4% Silizium

     

    Das besonderer am Sandvik 12C27 ist seine Härte-Flexibilität:

    Je nach Wärmebehandlung kann er auf zwischen 54 und 61 HRC gehärtet werden.

    Deshalb eignet sich der Stahl besonders gut für weiche Outdoormesser - aber auch harte Küchenmesser.

    Neben diesen 4 häufigen Messerstählen gibt es noch hunderte weitere Stähle, die HÄUFIG für die Herstellung von Messern dienen.

    Je nach Herstellungsweise, Wärmebehandlung und Härteverfahren kann derselbe Stahl unterschiedliche Eigenschaften haben.

    Wenn du scharfe Messer liebst, dann wird dich das auch interessieren ...

     

    Wenn du dich nachts in ein entlegenes Feld stellst (weit weg von einer Stadt) und in den Himmel empor schaust, kannst du über 3000 Sterne mit dem bloßen Auge erkennen.

    Genau so viele verschiedene Themen (und mehr) gibt es zum Thema Messerstahl - obwohl das nur winziger Bruchteil des Stahluniversums umfasst.

    Aber lass dich nicht entmutigen...

    Heute hast schon das wichtigste aufgeschnappt.

    Wenn du dich aber nicht nur für Messerstahl - sondern auch für das Endergebnis interessierst, dann hab ich genau das richtige für dich.

    In diesem Artikel verrate ich dir alles, was du über hochwertige Küchenmesser wissen solltest und wie du ein Premiummesser von einem Billigexemplar unterscheiden kannst:

    Küchenmesser Solingen - wirklich alles, was du über die hochwertigsten Küchenmesser der Welt wissen solltest

    Und wenn du dein Wissen über Stahl noch abrunden willst, dann hab ich auch schon was für dich:

    HRC Härte, Härtegraad, Rockwellhärte ... ? Endlich Härtegrad nach Rockwell verstehen - schnell und einfach erklärt

    Übrigens, da wir schon beim Thema Messerstahl sind ...

    Hier zeige ich dir, wie du verschiedene Messer extrem scharf schleifen kannst - egal um welchen Messerstahl es sich bei der Klinge handelt.

    Und falls du keinen Messerschärfer hast, verrate ich dir hier, welche Küchengegenstände du genau so gut wie ein Wetzstahl als Messerschärfer verwenden kannst.

     

    Wie viele Messer besitzt du eigentlich?

    Eine der wichtigsten Regeln in der Küche lautet:

    EIN gute Messer ist besser, als 7 schlechte.

    Warum?

    Weil schlechte Messer schnell stumpf werden und deutlich das Risiko erhöhen, dich damit zu verletzen.

    Deshalb brauchst du keine 18 verschiedenen Messer zu Hause - sondern nur ein kleines Set aus diesen 3 Messern: Messerset für die Küche.

    Doch auch das beste und schärfste Messer nützt dir nicht mehr viel, wenn es stumpf oder verrostet ist.

    Damit das nicht passiert und dein Messer länger scharf bleibt solltest du es richtig pflegen und aufbewahren.

    Hier zeige ich dir, wie man hochwertige Messer richtig reinigen kann - schnell und schonend.

     

    Für mehr Inspiration kannst du dich auch durch unsere ultimativen Listen klicken:

    1) Top 10: Die besten Bücher über gesunde Ernährung, die du 2023 lesen solltest

    2) Die 55 besten Foodblogs in Deutschland - und ihre Lieblingsrezepte

    3) 50 deutsche Sterneköche und ihre Lieblingsmesser: Welche Messer empfehlen Profiköche?

    4) 21 Schneidetechniken, mit denen du wie ein Profi schnibbeln kannst

    5) Die 30 wichtigsten Messerarten in der Küche - das Messerlexikon

     

    Viel Spaß beim Schnibbeln,

    Dein Alex

     

    PS:

    Hier ist ein Bericht über das Huusk Messer: Fake oder echt? Die GANZE Wahrheit.

     

    PPS

    Hier zeige ich dir, wie du deine alten Messer entsorgen kannst - Der No-Bullshit-Guide.

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    2 Kommentare

    Hi Fischer,

    Danke dir für dein Kompliment – ich gebe mein Bestes und versuche, die Artikel mit der Zeit zu aktualisieren und up to date zu halten.

    Alex

    Sehr gute Information. Ich habe sehr viel dazu gelernt. Leider kann man sich die ganzen Beiträge nicht auf einmal merken.
    Ich habe noch keine so umfangreiche und technologische so wie werkstoffkundige Abhandlung über Messer gelesen. Besten Dank

    W. Fischer

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